No sports? No way! – Teil 1: Hör auf dein Bauchgefühl

Eine Sportverletzung, der langwierige Heilungsprozess und was das mit den Themen Wahrnehmung und positiver Psychologie zu tun hat.

Am 04.08.2021 passierte es. Ein Sportunfall. Gleichzeitig Fuß und Hand gebrochen, halbe Sachen sind nicht so mein Ding. Das Datum kann ich mir fast besser merken als meinen Hochzeitstag.

Ergebnis: Distale Radiusfraktur der linken Hand ohne Dislokation, der Laie würde sagen glatter Bruch am Handgelenk ohne Verschiebung plus Fraktur des Mittelfußknochens 5 rechts mit Verschiebung um Kortikalisbreite, sprich Fuß gebrochen und leider nicht so glatt.

Ich würde jetzt wahnsinnig gerne so abenteuerliche Geschichten erzählen wie: „Es passierte beim Kitesurfen auf dem Atlantik, als ich aus schwindelerregender Höhe aufs Wasser…“  oder „Bei der Abfahrt der schwarzen Piste, als es mich aus den Ski semmelte…“ (was allein wegen des Datums zumindest in Europa schwierig wird).

Aber nein… es passierte beim TENNIS! Ja und genau jetzt kannst du gerne recherchieren wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man sich exakt 2 Brüche beim Tennis zuzieht?! Ich würde mal sagen: gering!

Zum Hintergrund: ich hatte erst im Sommer 2021 mit dem Tennis begonnen. Ansonsten bin ich Läuferin, mache regelmäßig Yoga und Krafttraining.

Am Tag des Unfalls stand eine Trainerstunde gemeinsam mit einer Freundin an.

Es war schon so, dass ich eigentlich keine Trainerstunde wollte, aber da „nein sagen“ nicht zu meinen Kernstärken gehört, habe ich mich überreden lassen.

Und es war einer dieser Tage, an denen man besser auf sein Bauchgefühl vertraut hätte.

Wir Menschen haben ein Bauchgefühl, Intuitionen bzw. Instinkte.

Also das sichere Gefühl für etwas, automatische Verhaltensweisen ohne reflektierte Kontrolle, nicht nur als Ratgeber, sondern auch als Instanz, die uns vor Gefahren warnt.

Vielleicht kennst du auch dieses Gefühl, dass du bestimmte Dinge ahnst, ohne dass du sagen könntest warum. Genauso war es an diesem Tag: da war das Gefühl, dass es nicht rund läuft, dass irgendetwas Blödes noch passieren wird.

Schon am Morgen war ich unmotiviert und schlapp, schlecht gelaunt ging der Tag los. So richtig Lust auf die Stunde hatte ich nicht, aber, und hier setzte die Kontrolle ein: wenn ich einmal etwas zugesagt habe, versuche ich es möglichst einzuhalten. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie ärgerlich es ist, wenn kurzfristig Termine abgesagt werden und in dem Fall der Tennistrainer, die Stunde nicht anderweitig vergeben kann.

Also, zusammenreißen und auf zum Tennistraining. Die Stimmung war allerdings insgesamt angestrengt, offensichtlich hatte nicht nur ich einen schlechten Start in den Tag. Auch dem Platz ging‘s nicht gut, die Bedingungen waren eher suboptimal. Spätestens jetzt schrie mein kompletter Körper: ALARM, steig aus und fahr heim! Die innere Stimme verschaffte sich Gehör mit der zaghaften Frage in die Runde: wir können es auch lassen heute. Aber nein, keine Chance, die Köpfe waren stärker, wir starteten ins Training.  

Die Stunde lief leidlich harmonisch vor sich hin. Aber so richtig Spaß wollte, zumindest bei mir, nicht aufkommen.

Und dann kam ER; dieser legendäre Ball, den ich – inzwischen mittelschwer genervt – unbedingt kriegen wollte. Ins Feld geballert, kam er auf mich zugeschossen, mega hoch, fast schon klar, dass der außerhalb der Linien landet, aber egal, ich dachte nur „den hol ich mir“, und bin wie vom Hafer gestochen gerannt.

Plötzlich am Fuß ein Widerstand und du denkst noch „Hä, wieso bleib ich hängen?“, ist doch nur Sand, da dreht sich der Fuß nach außen, knickt elegant um, du versuchst zur anderen Seite auszugleichen und segelst in der nächsten Sekunde auf die linke Hand, während die andere beherzt den Tennisschläger festhält, wild ins Leere wedelnd, als könnte er dich retten, oder den Ball, aber auf gar keinen Fall loslassen. Fragst dich im Nachgang auch was mit dir nicht stimmt.

Und dann lag ich da, auf dem Rücken, den Tennisschläger noch in der rechten, nach oben gereckt wie eine Trophäe, im Sand. Fun Fact: den Ball habe ich natürlich nicht bekommen.

Und bevor ich auch nur ansatzweise wusste, was los war, hatte ich unfassbare Schmerzen in der Hand. Bin ich erst mal aufgestanden, musste ja weitergehen, egal wie, mir wurde nur in der Sekunde schlecht und schwarz vor Augen. Und während ich ziellos und jaulend vor mich hin taumelte, wollte der Fuß auch nicht mehr, knickte immer weg, zwar erst mal ohne Schmerzen, aber auftreten war nicht mehr drin.

Hilfe kam schnell von unserem Tennistrainer und meiner Freundin. Zack auf die Bank, Cola für den Kreislauf. Meine Hand hatte sich inzwischen entschieden eine Schonhaltung einzunehmen, fein nach vorne abgeknickt, keine Chance sie zu irgendwas anderem zu überreden. Mein Fuß war offensichtlich noch ambivalent, da war nix zu spüren.

Genauso schnell stand auch die Schuldfrage im Raum: war es ein Ball, der noch auf dem Feld lag (definitiv nicht), die falsche Lauftechnik, der Mond … wir wissen es nicht, war mir auf der Bank auch herzlich egal, rückblickend würde ich sagen:

Eigene Dummheit gepaart mit einer guten Portion Pech.

Nach dem Unfall.

Du kannst mir glauben, dass ich in dem Moment mehrfach dachte, warum bin ich nicht einfach daheim geblieben? Habe auf mein Bauchgefühl gehört, dass dieser Tag nichts Gutes bringt. Gesichert können wir nie sagen, ob uns das Bauchgefühl täuscht oder nicht. Aber es gibt definitiv Situationen, da sollten wir mehr unserer Intuition, als rationalen Entscheidungen vertrauen.

Darüber hinaus gab es jedoch auch Hinweise, die über eine reine Intuition hinausgehen: Wenn dein Körper dir Signale sendet, wie Müdigkeit, oder du mental nicht auf der Höhe bist, dann ist es Zeit innezuhalten.

Eine Pause zu machen, achtsam zu sein und sich zu fragen:

  • Was brauchst du jetzt?
  • Was tut dir gut?

Im Sport besteht die Gefahr, dass wir uns verletzen, im Alltag oder im Job, dass wir uns überfordern.

Und auch einfach mal „Nein sagen“! Hier ist in meinem Fall definitiv noch Luft nach oben.

Aber es warteten noch weitere Learnings auf mich.

Wie es lustig weiterging, erfährst du im nächsten Teil „Die Klischeefalle“.

Dieser Blogartikel ist eine Serie zum Thema „No sports? No way!“.

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