No sports? No way! – Teil 3: Unterschiedliche Welten

Eine Sportverletzung, der langwierige Heilungsprozess und was das mit den Themen Wahrnehmung und positiver Psychologie zu tun hat.

Spass in der Notaufnahme

Nachdem also klar war, dass es mit “mal drüber schlafen” nicht getan war, machten wir uns auf. Meine Freundin mit mir, mein Mann auf dem Weg sie abzulösen. Inzwischen hatte ich mich meines Sportschuhs entledigt, kein Platz mehr für den geschwollenen Fuß, die Hand machte nach wie vor ihr eigenes Ding.

Und so rollerte mich meine Freundin in die Notaufnahme.

Freundlich kamen wir rein und baten um Hilfe. Und wurden in der Sekunde forsch am Empfang zurechtgewiesen, wo denn die vorgeschriebene FFP2 Maske wäre?!

Dazu muss man wissen: zu dem Zeitpunkt gab es unterschiedliche Regelungen, keine Maskenpflicht auf dem Tennisplatz und wir hatten “nur” OP Masken aufgesetzt. Natürlich entschuldigten wir uns. Reichlich genervt wurden uns die richtigen Masken und der Anmeldebogen überreicht.

Und als hätte das nicht schon gereicht, kam dann auch noch mein Mann dazu. Trommelwirbel: in OP Maske. Nun war es mit der Geduld der Empfangsdame am Ende. Noch so einer! Geht gar nicht, hallo FFP 2! Und überhaupt, was dieser Menschenauflauf soll. Meine Freundin trat schnell den Rückzug an, der Gatte war verwirrt und mir platzte derweil der Kragen.  

Wir konnten jedoch schnell klären, dass in meiner Welt der abendliche Krankenhausbesuch nicht vorgesehen war. Einen Unfall planst du eher selten, für hellseherische Fähigkeiten fehlt mir leider der spirituelle Zugang. Und bei allem Verständnis für Vorschriften, warum so unfreundlich?!

Sie hat das dann voll verstanden und wir gingen friedlich auseinander.

Weiter ging‘s zur Aufnahme, ganz liebe Menschen kümmerten sich und ich wurde in ein Behandlungszimmer geschoben, mit der Info: ein Arzt kommt gleich.

Es dauerte. Normal, dachte ich, ist ja auch viel los. Ich nutzte die Zeit sinnvoll und bequatschte Hand und Fuß, zusammen sprachen wir ein Mantra und atmeten: “Alles ist gut, wir sind nur verstaucht, atme 3 Takte ein und 6 Takte auuuuus …”

Irgendwann schob sich die Tür auf und eine freundliche Krankenpflegerin schaute rein: “Ich bring sie dann mal zum Röntgen.”

Super, das nenn ich mal effiziente Abläufe! Erst mal röntgen, ungewöhnlich ohne Untersuchung, aber warum nicht, verkürzt den Prozess.  

Wir zum Röntgen, und ein energisches: “Das ist aber nicht die 80-jährige, oder?” schallte uns entgegen, ich so “Nö, rein biologisch haut’s nicht hin …”

Nach kurzer Irritation stellte man fest, sie ist nicht 80, weder biologisch noch optisch, und dass es wohl doch mehr Sinn macht, wenn da vorher der Arzt draufschaut.

So kam es auch, im Anschluss wurde ich geröntgt und wieder zurückgeschoben mit dem Hinweis, der Arzt kommt dann gleich wieder.

Da saß ich nun. Lange. Mit Hand und Fuß im permanenten Austausch. Wir waren uns einig: Bissel Ibuprofen, lecker Verband, und dann sind wir nächste Woche wieder auf dem Platz.

Irgendwann ging die Tür auf und ein junger Mann begrüßte mich mit: “Hallooo, was haben wir denn da?”. Mich, dachte ich, aktuell ohne Diagnose, aber inzwischen mit Hunger. Keinen Schimmer wer sie jetzt sind, aber ich freu mich ja immer über Gesellschaft.

Also erklärte ich meine Situation, woraufhin er fix beschloss: “Dann bringen wir Sie mal zum Röntgen.” Nope, da war ich gerade. Zügig klärte sich, dass es einen Schichtwechsel gab und der Krankenpfleger sich auf den Stand der Dinge bringen musste. Gesagt getan, er verließ mich mit dem Hinweis, der Arzt kommt gleich.

“Gleich” so viel war nach ca. 3 Stunden klar, ist ein eher dehnbarer Begriff. Ich machte es mir wieder gemütlich.

Und dann kam er wirklich, die Erlösung, der Arzt mit der Diagnose. In Erwartung meiner Röntgenbilder, freute ich mich auf Verband und Schmerzmittel.

Ohne Umschweife wurde mir mitgeteilt: Hand UND Fuß gebrochen!

Kurz war ich versucht zu sagen: “Nee sorry, das kann ja gar nicht sein.”

Das wird wohl längere Zeit nix mehr

In Schockstarre lauschte ich gebannt dem nächsten Gemurmel. Hand glatt gebrochen, da machen wir mal eine Schiene drauf und der Fuß, ja da ist der Mittelfußknochen gebrochen, bisschen verschoben, aber (Pause), da könnte man auch (wieder Pause), aber nee, muss nicht, da reicht ein fester Schuh, sie müssen ja eh morgen wieder kommen.

Im letzten Absatz löste sich meine Schockstarre und pure Panik machte sich breit:
FESTER SCHUH? Ernsthaft? Diesen Fuß, geschwollen + gebrochen, soll ich in einen festen Schuh dengeln? Yep, so der Plan.

Auf meinen kurzen Einwand, dass ich jetzt ad hoc keine Idee hätte, welcher Schuh in meinem Fundus dafür geeignet wäre, wurde mir charmant lächelnd entgegnet: “Dann gehen Sie doch morgen mal eine Runde shoppen.” Genau, super Idee!

Aber bitte: NICHT auftreten. Sie bekommen Krücken. Mein persönliches Highlight!

Engagiert wurden mir 2 Krücken in die Hand gedrückt, die Linke derweil in einer Schiene fixiert. Schon mal versucht auf Krücken zu gehen, wenn du nur eine Hand hast und nicht auftreten darfst? Die Erfahrung habe ich mir erspart, der Krankenpfleger sah das ähnlich und ließ mich frisch geschient im Rollstuhl Platz nehmen.

Learnings für diesen Teil:

Offensichtlich prallten hier schlicht 2 Welten aufeinander.

In meiner Welt war die Diagnose Hand und Fuß gebrochen ein echter Schock. Nicht nur, dass ich mich unfassbar gerne bewege und Sport mache, ich bin auch selbstständig. Sofort schießen dir Gedanken durch den Kopf, welche Termine habe ich, kann ich die einhalten und was, wenn nicht? Letzteres ist existentiell, Krankschreibung hilft nicht, du verdienst schlicht kein Geld.

In der Welt eines Arztes im Notdienst ist eine gebrochene Hand / ein gebrochener Fuß erst mal nichts Weltbewegendes geschweige denn Lebensbedrohliches. Dazu der Stress, die enge Taktung der Patient:innen etc. – es ist ja bekannt, wie belastend die Arbeit im Krankenhaus ist.

Was hier hilft?
Verständnis und Empathie auf beiden Seiten.

Das Verständnis für die Belastung der Arbeit im Krankenhaus, den Zeitdruck, dem die Fachkräfte tagtäglich ausgesetzt sind. Und das doch alles getan wird, den Patient:innen bestmöglich und zeitnah zu helfen. Dass es vielleicht auch mal zu einem flapsigen Spruch kommen kann oder auch Gereiztheit, wir sind eben alles nur Menschen.

Auf der anderen Seite Verständnis für Patient:innen, die die Abläufe im Krankenhaus nicht kennen. Dass ein “gleich kommt jemand” unendlich lang werden kann, wenn du nicht weißt, wie es weitergeht. Und die Empathie, dass eine Verletzung, egal wie banal sie erscheinen mag, erst mal etwas Unangenehmes oder auch Bedrohliches hat.

Raus aus der eigenen „Blase“

d.h. die eigene Welt erklären und versuchen, die Welt von anderen zu verstehen.

Auf den Punkt:

Mühsam versuchte ich also meinen gebrochenen Fuß zu schützen, zum Schuhe shoppen war es zu spät und der vorhandene Sportschuh war auch keine Option.

So wurden wir nach Hause geschickt, denn dort bleiben wollte ich nicht.

Ohne Rollstuhl, dafür mit Krücken. Aber: ich hätte ja auch mal was sagen können!

Warum das noch problematisch wurde und welche weiteren Überraschungen auf uns warteten:
dazu mehr im  Teil 4 „Annehmen wie es ist“  

Dieser Blogartikel ist eine Serie zum Thema „No sports? No way!“.

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