No sports? No way! – Teil 4: Annehmen wie es ist

Eine Sportverletzung, der langwierige Heilungsprozess und was das mit den Themen Wahrnehmung und positiver Psychologie zu tun hat.

Und immer, wenn du denkst, es kann nicht schlimmer kommen, DOCH es kann!

Inzwischen war es später Abend und wir machten uns auf den Heimweg. Endlich nach Hause, hungrig, müde und wild entschlossen die Couch zu erobern.

In der Regel macht man sich bei der Wahl seiner Wohnsituation erst mal keine Gedanken wie es ist, wenn man sich crossdiagonal Hand und Fuß gebrochen hat.  So auch wir. Da standen wir nun endlich vor unserem Haus und Überraschung: Es liegt ja erhöht!

Voll praktisch, weil darunter die Tiefgarage, völlig unpraktisch fürs Crossdiagonale.
Linker Hand hast du eine Treppe. Bisschen eng zu zweit nebeneinander. Hochhüpfen allein, Hilfe, das schaff ich nicht. Aber komm, auf der anderen Seite ist doch die Rampe. Super! Dumm nur, wenn der für die Rampe nötige Rollstuhl fehlt.

In unseren Trainings zum Thema Stressmanagement empfehlen wir oft für den Notfall die 4-A-Strategie nach Kaluza (2017):

  1. Annehmen | Nimm die Situation als gegeben an und konzentriere dich auf Handlungsoptionen.
  2. Abkühlen | Runterfahren, abkühlen, atmen.
  3. Analysieren | Frage dich: kann ich etwas ändern? ist es mir die Sache wert?
  4. Aktion/ Ablenkung | Handeln, wenn du etwas verändern kannst, falls nicht lenke dich ab.

Quelle: Kaluza, Gert (2017): Gelassen und sicher im Stress

Und hier der Transfer für die Praxis

Die suboptimale Wohnsituation
  1. Annehmen: Umzug kommt so ad hoc nicht in Frage.
  2. Abkühlen: Bloß nicht hysterisch werden, ATMEN!
  3. Analysieren: Ich muss da hoch, Treppe fällt aus, zu zweit zu eng, also Rampe.
  4. Aktion: Muttern im Ohr: “Kind, jetzt reiß dich mal zusammen!” und einbeinig, schwer auf den Gatten gestützt, die Rampe hoch.
Die Rampe des "Schreckens"

Panik machte sich breit. Nur nicht das Gleichgewicht verlieren und ungebremst auf den gebrochenen dazu ungeschützten Fuß donnern. Mal Dampf ablassen durch konstantes “Hast du mich? Pass auf! Nicht so schnell!”.

Fördert die Konzentration, allerdings nicht die Ehe.

Gefühlt 1 Stunde. Auch für den armen Gatten. Vermutlich waren es 5 Minuten. Oben angekommen: Begeisterung! Als hätten wir den Mount Everest bestiegen, ohne Sauerstoff.

So weit so gut, Entspannung in Sicht, schlossen wir ermattet die Haustür auf. Kaum hatten wir den Fuß in die Tür gesetzt, strömte uns ein lieblicher Duft entgegen. Eine feine Mischung aus faulen Eiern und irgendwas zwischen Kloake und Exkrementen.

Unsere Hündin, 12 Jahre alt, hatte sich in unserer Abwesenheit entschlossen, einer spontanen Diarrhö ihren freien Lauf zu lassen. Solidarisch mit dem verletzten Frauchen war nun auch noch die Fellnase krank. Feinste Belastungsprobe für Mensch und Hund.

Ich wurde erstmal im Flur geparkt und wir übten uns erneut in 4A:

  1. Annehmen: Nicht bewegen und vor allem nicht im Weg stehen, der Gatte verschaffte sich derweil einen Überblick.
  2. Abkühlen: Atmen! NEIN, nicht durch die Nase, durch den MUND!
  3. Analysieren: Stärkenorientierter Einsatz – dem Gatten bewundernd zuschauen, wie er leichenblass den Wischmop schwingt.
  4. Ablenken: Mit der gesunden Hand die arme geplagte Hündin kuscheln.

Gegen Mitternacht landeten wir dann endlich zu dritt auf der Couch, kannste alles nicht besser erfinden.

Unser Haus stellte sich im Verlauf noch als größte Hürde heraus. Viele Treppen, das Büro im 2. OG. Ungünstig, wenn du nicht auftreten darfst und die gebrochene Hand keine Unterstützung bietet.

D.h. ich habe im Verlauf gelernt:

Treppen kannst du auch gut auf dem Pöppes nehmen

(„Po“ für die Nichtrheinländer:innen)
  • Stärkt die Armmuskulatur, wenngleich einseitig.
  • Es geht nur langsam, deshalb super Übung für die Ungeduldigen unter uns.
  • Und du solltest unbedingt darauf verzichten, einen Kaffee oder Ähnliches mitzunehmen. Der kommt halbleer an, der Gatte muss wieder den Wischmop … du ahnst es schon, es macht keinen Sinn!
  • Exkurs: Du lernst dich zu organisieren! Wenn du dich die Treppe runtergewuchtet hast, gerade Platz nimmst am Tisch, um endlich zu arbeiten und dann feststellst, dass du deine Brille leider oben im Bad vergessen hast, spätestens dann, ja spätestens dann, ersparst du dir das Elend dich erneut hoch- und wieder runter zu stemmen und bist für den nächsten Tag bestens aufgestellt!

Esszimmerstühle mit Rollen!

Die Lösung!
  • Was hatten wir seinerzeit klug eingekauft. Wieselflink kannst du dich von A nach B bewegen.
  • Rudern mit den Armen gleichzeitig abstoßen mit dem gesunden Fuß erhöht die Geschwindigkeit und stärkt dazu noch die Bauchmuskulatur.

Yoga macht sich bezahlt

Wenn du einbeinig aufstehen musst!

Die Balance stimmt und mit der Zeit, schreit dein gesundes Bein auch nicht mehr um Hilfe, sondern entwickelt ungeahnte Kräfte.

Büro geht auch im Esszimmer

Man spart sich die Treppen

Learnings für diesen Teil:

Für die kleinen Katastrophen im Leben:
Bleib ruhig, gerate nicht in Panik, nimm die Dinge an, wie sie sind und schau, dass du das “Beste” daraus machst.

Wann immer wir uns bewegen, bzw. handeln, wird sich etwas lösen, verändern oder verbessern. Das gilt übrigens nicht nur für die kleinen Katastrophen, sondern generell im Leben.

Leben ist wie Fahrrad fahren, um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.

Albert Einstein

Wenn du es nicht allein lösen kannst, suche dir Hilfe oder Unterstützung. Es wird jemanden geben, der dir zur Seite stehen kann und will.

Und vielleicht hilft auch dir in Zukunft die 4 A Strategie für die kleinen Katastrophen in deinem Leben.

Am nächsten Tag beschlossen wir das Krankenhaus zu wechseln. Hin zu einem vertrauten Ärzt:innen Team, die mir in der Vergangenheit schon mal sehr geholfen hatten.

Ich werde nie vergessen, wie glücklich ich war, als dort mein behandelnder Arzt sagte: “Jetzt besorgen wir ihnen erst mal einen Walker für ihren Fuß, dann sind sie auch gleich viel entspannter.”

Hätte nicht viel gefehlt und ich wäre ihm heulend um den Hals gefallen. Allein meine Bewegungsunfähigkeit hielt mich davon ab.

Wenn ich zu dem Zeitpunkt allerdings gewusst hätte, dass dieser liebe Walker mein treuer Begleiter für die nächsten 9 Wochen werden sollte … Manchmal ist es echt besser, wenn man nicht alles weiß.

Deshalb geht’s in Teil 5 weiter mit positiver Psychologie für den Alltag: “Nur nie den Humor verlieren.”

Dieser Blogartikel ist eine Serie zum Thema „No sports? No way!“.

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