No sports? No way! – Teil 5: Nur nie den Humor verlieren

Eine Sportverletzung, der langwierige Heilungsprozess und was das mit den Themen Wahrnehmung und positiver Psychologie zu tun hat.

Die kleinen Katastrophen waren überstanden, ich war in guten Händen, versorgt mit Orthese und Air Cast Walker für Hand und Fuß. Immer noch der irrigen Annahme, dass ich spätestens in 3 Wochen mit allem durch bin.

Im Haus hatten wir uns gut organisiert, Esszimmerstühle zur schnellen Fortbewegung verteilt, liebe Nachbarn hatten mir noch einen Rollstuhl geliehen.

Apropos Rollstuhl: am Anfang habe ich mich gesperrt wie ein Esel, den zu benutzen. Als ob mir mein, in dem Moment nicht vorhandener Verstand, sagen wollte: “Schätzelein, komm an in der Realität, das wird nix in 3 Wochen, das dauert!”
Ich bin ernsthaft lieber die Treppen runtergerutscht, als den Rollstuhl zu benutzen und mich die Rampe runterfahren zu lassen. Irgendwann siegte die Vernunft.

Und der Perspektivenwechsel war sehr lehrreich!
Mir war nicht klar wie unfassbar ungünstig sämtliche Bürgersteige für Rollstühle sind. Hindernisse, wie Mülltonnen, Baustellen, Unebenheiten, zu eng, zu abschüssig … ohne Hilfe und Routine keine Chance.

Überraschend war für mich auch, wie du von einigen angeschaut wirst, wenn du im Rollstuhl bist – nämlich gar nicht. Das kann man sich so vorstellen:
Ein erstes “Uih, was hat es” dann ein “Sensation-Unfall-ah ich weiß ich soll nicht, aber ich will mal hingucken”-Blick und sobald du den Blick erwiderst, zack weg.
Bloß nicht anschauen. Selbst wenn du wie ein Honigkuchenpferd grinst, und das kann ich, keine Chance. Direkt in die Augen schauen. Vergiss es, die sind schneller, gucken weg.

Schön waren auch Stehpartys. Da stehen sie um dich herum, und während du dich plötzlich sehr klein fühlst, jemand so lieb ist und dein Glas auf dem Stehtisch abstellt, macht sich langsam auch dein Nacken bemerkbar.

Zurück zum Thema:

3 Wochen lang an alles gehalten: nicht aufgetreten, brav Vitamin D, Magnesium, Calzium konsumiert, gesund ernährt, Ruhe bewahrt und mich in Geduld geübt.

Ab zum Kontrolltermin für den Fuß und ich war mir so sicher, dass man mir freudestrahlend eröffnet: Toll, alles mega verheilt, nächste Woche geht’s ab ins Aufbautraining.

Nun ist positives Denken erst mal gesund. Ungesund wird’s, wenn Phantasie und Realität nicht zusammenpassen wollen. Das immer größer werdende Hämatom wies zwar dezent darauf hin, dass wir noch nicht fertig waren, als Meisterin im Verdrängen habe ich jedoch auch das erfolgreich ignoriert.

Beim Röntgen zeigte man sich schon verhalten optimistisch, logisch, die müssen sich ja auch zurückhalten.

Und dann kam er der Knall auf den Boden. Willkommen im wirklichen Leben: Der Bruch am Fuß muss nun doch operiert werden. Ein Kollege wurde hinzugezogen, kurz flackerte noch so was wie Hoffnung auf, aber auch die wurde sekundenschnell zerstört.

Und on Top: nach der OP noch mal 6 Wochen Walker. Hurra! Jetzt kam richtig Freude auf! Das war der Moment, an dem ich kurz überlegte, ob ich mich jetzt schämen muss, wenn ich spontan vor den Herren in Tränen ausbreche. Ich beließ es bei: “Nicht ihr Ernst!”

Doch die meinten das sehr ernst. Widerspruch war zwecklos.

Wieder daheim machte sich Frust breit. Kann jetzt echt nicht sein, draußen strahlender Sonnenschein, vom persönlichen Lock Down hatte ich definitiv die Nase voll, mir fehlte die Bewegung, meine Unabhängigkeit, es war zum Schreien.

Was geholfen hat?
Annehmen wie es ist (siehe Teil 4) und Humor.

Positive Psychologie

In der positiven Psychologie nach Peterson & Seligman ist Humor (auch Leichtigkeit) eine der 24 Charakterstärken, d.h. das Leben leicht zu nehmen, es spielerisch anzugehen auch in schwierigen Situationen.

Humor kann dir helfen besser mit Stress umzugehen und dein subjektives Wohlbefinden erhöhen. Perspektiven werden verschoben, du gewinnst Abstand, lenkst dich ab und dein Gefühl, Dinge zu beherrschen wird gestärkt. Gleichzeitig werden positive Emotionen ausgelöst, die zum Wohlbefinden beitragen.

Nach Kim R. Edwards ist es gerade der selbstverstärkende Humor, den Menschen bewusst einsetzen, um Stress besser unter Kontrolle zu bringen und sich den unbeschwerten Blick auf das Leben zu bewahren.

Und dafür musst du nicht als Stand Up Comedian auf die Bühne, es reicht, wenn du lachst, über dich, die Situation, das Leben.

Nach OP im Lymphdrainagen-Korsett – kannste besser nicht erfinden!

Und wenn dir so gar nicht danach ist, über dich und deine Situation zu lachen:
Lies, höre oder schau was Lustiges.
Umgib dich mit fröhlichen Menschen. Lachen ist ansteckend!
Oder umarme dein inneres Kind und benimm dich nicht altersgerecht. Sei einfach mal richtig albern!

Also beschloss ich, Spass zu haben.

Lachen hilft

Über mich zu lachen: Wie kann man auch ernsthaft glauben, dass ein verschobener Bruch in 3 Wochen ausheilt?

Lustige Abende im Kreis von lieben Menschen zu verbringen.

Kaum als ich wieder auftreten durfte – und das ging super zügig nach OP – mit unserer Hündin durch die Wohnung getobt.

Meinen Geburtstag gefeiert und durchgetanzt. OK bei Let’s Dance hätte ich keine Chance gehabt, aber ich hatte Fun! Und an meine lieben Ärzte: Ja, ich weiß, viel zu früh, aber ist ja noch mal gutgegangen.

Enthusiastisch die ersten Yogaübungen zu machen, kaum, dass ich die Orthese an der Hand ablegen durfte. Geht auch super mit Walker am Fuß.

Learnings für diesen Teil:

Mir wird oft gesagt, dass ich viel lachen würde. Mir hilft das, gerade wenn es schwierig ist und ich hatte schon sehr viel schwierigere Zeiten als diese lustigen Brüche.

Deshalb: Bewahre auch du dir deinen Humor und dein Lachen. Für deine Leichtigkeit im Leben!

Übrigens es ist nicht „positive Psychologie“ wenn du hörst:
“Komm, es gibt wirklich Schlimmeres!”
Das weißt du, wenn du halbwegs bei Verstand bist.

Im 6. Teil geht es um die letzten Steps in Richtung Heilung.

Dieser Blogartikel ist eine Serie zum Thema „No sports? No way!“.

Quellen:

  • Peterson, C., & Seligman, M. E. P. (2004). Character strengths and virtues: A handbook and classification. American Psychological Association; Oxford University Press.
  • Edwards, Kimberly R., “The Role of Humor as a Character Strength in Positive Psychology” (2013). Electronic Thesis and Dissertation. Repository. 1681
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